Der Richter und seine Gäste -Fremdenfeindlichkeit beim deutschen Malerfürsten?

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Kollege Gerhard Richter ist bisher nicht besonders dadurch aufgefallen, dass er sich politisch engagiert oder geäußert hat. Seine Sache. Ein guter Maler muss nicht zugleich ein politisch oder gesellschaftlich engagierter Mensch sein. Die einzigen Äußerungen, die man von Richter wahrnimmt, sind seine Beteuerungen, er verstehe einfach nicht, wie man für seine Bilder Millionen ausgeben könne. Dabei wäre es doch so einfach, ein paar Arbeiten z.B. zugunsten von Hilfsprojekten zu verschenken und damit die Preise zu regulieren. Aber das ist und bleibt seine private Angelegenheit. Kaum sind seine Krokodilstränen getrocknet, da erfährt man allerdings von einem Video, in dem sich der Siegerkünstler Richter mit einem dänischen Kurator über das Vorgehen von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck in der Flüchtlingskrise kritisch äußert.

Den Begriff „Willkommenskultur“ nennt Richter verlogen und unnatürlich. Von Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ hält er nichts: „Das sind keine Wörter“, sagt er wörtlich im Interview, das im Video-Channel des berühmten dänischen Louisiana Museums auf dessen Homepage erscheint. Es kommt aber noch härter: Flüchtlinge seien in Deutschland nicht willkommen. Wenn ihm gesagt werde, er müsse jetzt alle willkommen heißen, dann sei das gelogen, so der Mitbegründer des „Kapitalistischen Realismus“, dessen Arbeiten prominent im Deutschen Bundestag hängen und immer wieder im Hintergrund zu sehen sind, wenn ausländische Staatsgäste im Bundeskanzleramt präsentiert werden. In seiner verschmitzt unbedarften Art plaudert er weiter, er habe nie etwas gegen Ausländer gehabt, lade aber nur Menschen zum Essen ein, die er kenne, „egal, ob das jetzt ein Neger ist oder ein Däne“. Für eine durch ihre Rekordverkäufe auch außerhalb der Kunstszene öffentlich bekannte Person, die sich angeblich nicht politisch äußert, ein Statement, das viel Beachtung findet.

Warum wundert es mich nicht, dass jemand, der nur für Oligarchen, Geldwäscher und Steuerflüchtlinge arbeitet, auch deren „Werte“ verteidigt? Hättest du geschwiegen, Kollege Richter, wärest du ein Philosoph geblieben, aber so entpuppst du dich als feudaler, rückwärtsgewandter Fremdenfeind. Ich weiß auch, wen du zum Essen einlädst, die reichen Sammler, Kuratoren und neuen Fürsten des 21. Jahrhunderts, zu deren Hofschranzen du dich jetzt zählen darfst. Der Strippenzieher zu den ganz großen Nummern im unersättlichen Geldapparat darf dann ruhig auch mal ein „Neger“ sein, ein Däne sowieso. Ach ja, wie komme ich jetzt darauf, dass du aus Dresden kamst, bevor du in den Wirtschaftswunderjahren hier die westliche Kunstszene mitgeprägt hast? Sind dort nicht momentan viele deiner Meinung, die sich fahneschwenkend versammeln und – wie du – Willkommenskultur für etwas Unnatürliches halten? Leider handelt es sich hier um kein regionales Phänomen der Verirrung. Sofort drucken alle Kunstgazetten den kulturellen Sondermüll ab, was für die endgültige Verbreitung sorgt. Wenn das der Richter sagt, dann muss da ja was dran sein, oder?

Gerhard, bleib bei deinem Pinsel oder Rakel und produziere weiter Wandaktien für die Superreichen, aber behalte bitte deine private Meinung für dich. Äußerungen wie die in deinem Interview beleidigen alle, die mit ihrem persönlichen Engagement die Opfer derjenigen betreuen, die mit ihrer Geldgier und Rücksichtslosigkeit die Ursachen dafür liefern, dass immer mehr Menschen heimatlos und Opfer von Krieg und Zerstörung werden. Auch, wenn man „nur“ Kunst studiert hat, kann man die Zusammenhänge zwischen Ausbeutung, Waffenhandel, Krieg, Umweltzerstörung und Flüchtlingen verstehen, wenn man sich mal die Mühe macht. Dauert nicht so lange wie ein Rakelbild, hilft aber gegen Dummheit und Anmaßung…

 

Abb.: Hermann Josef Hack, STATE OF THE ART, 161021, painting and spray paint on tarpaulin, 306 x 270 cm, 2016

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Ein Gedanke zu “Der Richter und seine Gäste -Fremdenfeindlichkeit beim deutschen Malerfürsten?

  1. Ich verstehe deinen Frust und deine Position. Dennoch sollte man zwischen dem Künstler und den Privat menschen Richter unterscheiden. Während der erste versucht zu transzendieren und dadurch seinen Reichtum schöpft. Verirrt sich der Privatmensch im Mainstream der frustrierten Masse, die ihren Anschluss an die eigentlichen ProblemQuellen für unsere derzeitige Lage verloren hat. Unsere Probleme rühren nicht von Menschen her, die als Folge des europäischen und internationalen Waffenhandels zu Opfern wurden. Diese Lage ist vergleichbar mit historischen Ereignissen, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts ansiedeln. Auch wenn es heißt, dass wir aus der Vergangenheit lernen, so wiederholt sich dann doch alles in einem neuen negativen Kontext. …
    Abschließend sei gesagt, dass ich von Richter doch enttäuscht bin, insoweit er ein Vorbild in meinem Studium war. Nun bekommt seine Aura der Erhabenheit einen Schatten, der das Licht bricht. Schade. Vielleicht besinnt er sich wieder auf plurale Werte. …

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