Wir haben nicht zu viel Kunst, sondern zu wenig Platz für Kunst, die etwas zu sagen hat

Bereits vor zwei Jahren, als der neue documenta-Leiter gekürt wurde, habe ich diesem vorgeschlagen, die documenta 14 ausfallen zu lassen. Siehe meine Veröffentlichung von damals.

Angesichts einer wachsenden Zahl existenzieller Herausforderungen, von denen ich als wichtigste nur den Klimawandel erwähne, hat sich die auf großen Schauen präsentierte Kunst überhaupt nicht als wichtiger Impulsgeber erwiesen. Vielmehr hat sich diese immer mehr als Hofkunst und Luxuskitsch für eine Hand voll Superreicher entwickelt, fröhlich und munter gefördert durch die Hofschranzen einiger auserwählter Kuratoren, Journalisten und Museumsdirektoren, die sich mittlerweile wundern, wieso sich ihre Häuser an den Rand des Ruins gebracht und sie sich als kulturelle Instanz für das Bewahrenswerte überflüssig gemacht haben.

Insofern wundert es mich nicht, heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von deren Chef-Feuilletonisten Niklas Maak zu lesen, dass dieser beklagt, dass „die Gegenwartskunst bald ihren Ruf als etwas Sympathisches, Kritisches und Mutiges verliert“. Unter der Überschrift „Was wollt ihr denn noch von der Kunst?“ kritisiert Maak m.E. zu Recht, was Wolfgang Ullrich in seinem Buch „Siegerkunst – Neuer Adel, teure Lust“ bereits festgestellt hat: Die hoch gehandelte und überall ausgestellte Vorzeigekunst erfüllt längst keine gesellschaftskritischen oder seismographischen Ansprüche mehr.

Am Beispiel von Anish Kapoor’s gigantischen Dekorationskunstwerken macht Maak deutlich, „wer in der Kunst das Sagen hat: wenige Private, und nicht mehr der Staat oder die Bürger.“

Im Weiteren spricht er von „Gleichschaltung von Kunst und Kapitalismus“, Maak: „Es ist nicht nur vor der documenta erkennbar, dass die Kunst sich, als Gegenbewegung zu ihrer offensichtlicher Kommerzialisierung und ihrer Verwurstung zu Deko-Elementen und scheinpolitischen Hinterfragungsgirlanden für die neuen gesellschaftlichen Machthaber, zunehmend mit dem Politischen verbinden, Politik machen will.

Dies bestätigt meine o.g. Aktion „CANCEL DOCUMENTA 14“, mit der ich darauf hinweisen will, dass unter den kritisierten Umständen es besser ist, ganz auf eine Ausstellung von Kunst zu verzichten, statt so zu tun, als ob die gezeigten Arbeiten einen Beitrag für die gesamte Gesellschaft leisten würden.

Auf meinen damaligen Brief an den dokumenta-Leiter Adam Szymczyk erhielt ich leider keine einzige Reaktion, was mich nicht verwundert, da ich nicht zum Klientel der Siegerkünstler gehöre.

Ich behaupte, es gibt nicht zuviel Kunst, aber Kunst, die sich einer Vereinnahmung durch die Reichen und Mächtigen entzieht, erhält momentan im Gegensatz zu früheren Zeiten so gut wie keine öffentliche Wahrnehmung. Aber, die Zeiten ändern sich. Nichts ist so sicher wie der Wandel… und der Wandel spricht für uns.

Siehe auch meinen Blogbeitrag vom 11. Februar 2016 hierzu.

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